Der Atlantik mit bedrohlichen Wolken

Tonko der Fischkopffreund

Grmpf, die Tage hat mich unser Labrador Tonko wirklich mal gut geärgert. Bei schönem Wetter war ich mit ihm am Meeresschwimmbecken von Castillo del Romeral. Leider waren wir ausgerechnet zum Tiefstpunkt der Ebbe da und es war etwas windig, richtig schwimmen war also nicht, bei Gegenwind kam ich mit dem Ball einfach nicht so weit aufs Wasser raus. Also sind wir dann irgendwann dem Strand entlang marschiert.

Unser Labrador Tonko mit Ball
Normalerweise spielt unser Labrador Tonko lieber mit Ball statt mit alten Fischen.
Irgendwann ließ er seinen Ball liegen und suchte ständig zwischen den Steinen. Und guckte ständig was ich so trieb. Ich holte mir dann den Ball und marschierte weiter, aller Erfahrung nach hätte er jetzt, wenn schon nicht mir, dann aber doch seinem Ball folgen sollen. Tat er nicht wirklich, er lief, nach einem Blick zu mir, an eine Stelle, schnappte sich was und kam dann mit Sicherheitsabstand hinter mir her.

So nicht, Freund Nase, dachte ich nur. Und ging hin, um zu schauen, was er da hat.
Ich war nicht erfreut. Es war ein halber, recht großer Fisch mit Kopf. Der Kopf mit Augen guckte aus der einen Seite des Mauls raus, auf der anderen Seite irgendwelche Gedärmer. Keine Ahnung. Ich versuchte innerlich die Augen vor diesem Anblick zu verschließen.

Tauschversuche Fisch gegen Keks oder Fisch gegen Ball brachten keinen Erfolg. Tonko verbiss sich mehr oder wenig in den Fischkopf. Grmpf. Erst mal versuchte ich es mit brüllen. Muss lustig ausgesehen haben, wie ich da AUUUUS TONKOOO!!! AUUUSS gebrüllt habe. Nutzte natürlich nichts. Dummerweise hört Tonko nur auf Aus bei Bällen, seinem Fressen, eigentlich bei Allem was er von uns bekommt, aber leider eben nicht auf eigene Beute.

Also, ok, ich kann auch anders. Maul aufmachen (zum Glück hat ein Labrador nicht so eine starke Beißkraft wie zum Beispiel ein Dobermann oder Schäferhund oder eine Mischung davon. Erschwert wurde das Ganze aber dadurch, dass ich beim Maul aufmachen versuchte, nicht an den Fischkadaver zu kommen. War gar nicht so einfach. Irgendwann hatte ich es dann mit sanften Druck geschafft, Maul offen, Fisch auf Boden. Danach kam aber der schwierige Teil, schwierig, weil ich ja mit zwei Händen beim Maul öffnen war. Hund sofort vom Fisch wegdirigieren ohne dabei selber auf die Nase zu fallen. Auch geschafft. Danach Hund an die Leine und mit Ball ablenken und auch diese fischige Situation war überstanden.

30 Meter weiter war der Fisch auch vergessen und der Ball wieder die Nummer eins und wir konnten in Ruhe weiter spielen.
Mit Fischen hat es Tonko. Ein Mal, da war unsere gute Cora noch am Leben, war ich mit beiden Hunden auf der nächtlichen letzten Runde. Und da es oben auf dem Feld sehr windig war, bin ich unten rum und da steht eben der Müllcontainer der Neubausiedlung von Castillo del Romeral. Da sind wir vorbei und dann zurück. Irgendwann wunderte ich mich, warum Tonko mich gar nicht mehr anguckte und immer den Kopf wegdrehte. Nicht sehr typisch für ihn beim Gassi gehen. Kurz vor unserem Haus ging ich der Sache dann auf den Grund. Irgendwas hatte er im Maul. Zum Glück so groß, dass er es nicht schlucken konnte. Aber was war nicht zu erkennen. Zum einen weil es dunkel war, zum anderen, weil es zu groß zum schlucken, aber klein genug zum bunkern war (Tonko schafft es auch zwei Tennisbälle gleichzeitig zu transportieren). Also Maul aufgemacht, rausgeholt, kurzen Blick drauf, vermoderter alter Fischkopf und sofort weggeworfen.

Aber ich mein, der Hund ist jetzt über fünf Jahre alt, die zwei Fischunfälle waren bislang das einzige, was ich ihm abnehmen musste. Geht ja noch. Neulich hab ich eine kurze Anleitung über Dummytraining gelesen, da stand tatsächlich drin, wenn man möchte, dass der eigene Hund gerne Apportiert, darf man niemals nie nicht schimpfen wenn er irgendwas apportiert, was von einem selbst nicht gewünscht ist. Auch nicht wenn es eklig wie ein alter Fischkopf ist. Seltsame Anleitung 🙂

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