Gassi gehen in Deutschland

Gassi gehen in Deutschland

Es ist ziemlich ungewohnt wieder in Deutschland zu leben. Wir müssen uns an so viel wieder gewöhnen wie Müll Trennung, Dosenpfand und hat die teils sehr schlecht gelaunten Mitmenschen hier.

Mit Hund hat man es zwar etwas leichter Kontakte zu knüpfen, aber was auf Gran Canaria noch eine sichere Methode war ins Gespräch zu kommen, klappt hier nicht immer. Klar, es gibt sehr nette andere Hundebesitzer (so zwei von 10) aber die restlichen acht sind sehr merkwürdig. Als erstes haben wir nachbarschaftliche Bande zu der Familie aufgenommen, die auf der anderen Seite wohnt. Wir können von unserem Balkon direkt in ihren Garten schauen und was sahen wir da, einen Labradoodle (eine gezielte Mischung aus Labrador und Pudel). Meinen ersten echten Labradoodle wohlgemerkt. Mit der Besitzerin ist auch immer mal ein nettes Schwätzchen drin, sehr freundlich und nett. Gilt für Beide, Hund und Frauchen. Ich mein, mir sind Labradoodle etwas zu Pudelartig (vom Lockenfell und von der Statur), aber der Nachbarshund ist wirklich süß und knuffig und zum verlieben. Und kommunikativ. Ich hab mal eine halbe Stunde auf unserem Balkon verbracht, da war er im Garten und guckte zu mir rüber. Jedes mal wenn ich gewunden habe, hat der Labradoodle mit dem Schwanz gewedelt. Hab ich aufgehört, hat er aufgehört, habe ich wieder gewunden, fing wieder das Schwanz wedeln an. Nach einer halben Stunde musste er leider rein, sonst hätten wir da wohl bis zum Abend gesessen bzw. gestanden 🙂

Es gibt natürlich auch andere nette Hundebesitzer hier. Aber hier mal einige Erlebnisse, wo ich echt gestaunt habe.

Wer seinen Hund an der Leine lässt ist böse

Als ich das erste Mal mit unserem Labrador alleine durch den Wald gezogen bin und ihn daher auch an der Leine gelassen hatte, weil ich mich da null auskannte und ich auch nicht wusste ob es erlaubt ist und viel wichtiger, ob da irgendwas lauert, was ihm gefährlich sein könnte z.B. ein Teich, in den er springt, aber aus dem er nicht mehr rauskäme etc. Oder vielleicht ist gerade Jagdsaison oder so.

Also hatte ich ihn an der Rollleine. Das klappt immer sehr gut, ich hab ja Zeit, er kann schnüffeln und gucken. Geht er langsam, gehe ich auch langsam, bleibt er stehen (was ein Labrador sehr gerne tut) bleib ich eben auch stehen und stelle die Leine so fest, dass er keinen Zug hat, wird er schneller, na, ich kann das auch. Also fast so wie ohne Leine, nur dass er halt ein wenig auf Bäume aufpassen muss. Weil Frauchen es nicht einsieht, durch unwegsames Gelände zu stampfen, nur weil er meinte links rum zu müssen, wenn sie rechts rum geht.

Auf diesem ersten Gassi Gang habe ich beinahe eins gelernt: Ich muss mich dafür entschuldigen, dass ich meinen Hund an der Leine habe. Mir kamen vier Mal Hundehalter mit Hunden ohne Leine entgegen, deren super gut hörende Hunde gleich in Richtung Tonko gesprungen sind. In Deutschland heißt hier und zurück wohl auch nicht, dass der Hund zum Halter zurückkehrt, sondern seltsamer weise genau das Gegenteil. Denn schließlich leint man ja nur Hunde ab, die auch hören, oder?

Drei von vier Mal zog dann Gewitter auf. Der andere Hund, der dem Befehl hier und zurück perfekt gefolgt war und daher ganz hier und zurück bei Tonko war, fing an zu grummeln. Nichts gefährliches. Eher so ein Warngrummeln. Ich sag dazu immer Gewitter. Das ist auch nichts was mich stört. Hunde müssen sich nicht alle gegenseitig mögen. Tun wir Menschen ja auch nicht. Und meist löst sich so eine Situation ganz schnell auf, kurz eigenen Hund abgelenkt, weiter gehen, anderen Hund stehen lassen, gut ist. Tonko ist nicht auf Krawall auf, daher klappt diese Taktik immer sehr gut.

Aber danach kam was, was mich fast von den Socken gehauen hat: Statt sich zu entschuldigen, dass sie ihren Hund auf uns haben zustürmen lassen, bekam ich den schwarzen Peter: Ja, das mit dem Knurren wäre ja nur, weil ich meinen Hund an der Leine hätte. Das (also mein Verhalten!) würde die Situation verschärfen. Hallo? Würde ihr Hund, der da ohne Leine rumtobt, hören, wäre es gar nicht zu der Situation gekommen, denn mein Hund hätte ja gar nicht zu ihren gekonnt.

Ich kam vom ersten Spaziergang kopfschüttelnd nach Hause. Vier Mal auf einem Spaziergang. Ich hab echt die deutsche Hundegassigehwelt nicht mehr begriffen. Vor allem was erklären die den Joggern, auf denen ihr Hund zuspringt? Die hätten die Situation verschärft, weil sie schnell gelaufen wären?

Tag der rücksichtslosen Hundebesitzer

Inzwischen weiß ich aber, das ich wohl am ersten Tag den Tag der rücksichtslosen Hundebesitzer erwischt habe. Auch hier gibt es mehr rücksichtsvolle als solche wie oben. Meist ist es so, wenn mich jemand mit Tonko auf dem Weg sieht, schaut er, ob mein Hund an der Leine ist oder nicht. Ist mein Hund an der Leine, leint derjenige seinen an, außer ich sehe es und ruf vorher schon zu, dass das aus meiner Sicht nicht nötig wäre. Meistens bleibt der andere Hund dann auch ab und ich mach Tonko dann meist auch ab und die beiden können sich in Ruhe beschnüffeln. Meist endet es dann darin, dass Tonko sofort das Interesse verliert, ab und an wird gespielt und ab und an gibt es eben ein kleines Gewittergrummeln. Woran nichts schlimmes ist, außer man schiebt mir die Schuld in die Schuhe.

Außer einmal. Da lief mir eine Frau entgegen, die ihren Hund nicht an der Leine hatte. Tonko war an der Leine. Ich grüßte freundlich, sie ignorierte mich. Ich lief weiter, sie auch, dann kam, zehn Meter hinten dran ihr Hund. Der stürzte sich auf Tonko und biss ihn erst einmal in den Hals (Tonko ist da gut gepolstert und es war auch nicht der Biss von der Sorte, der verletzten sollte). Ich nehm an, da bin ich aber auch schuld dran. Wenn ich einen unangeleinten Hund sehe, habe ich wohl meinen abzuleinen. Oder ich muss annehmen, wenn das Frauchen unfreundlich ist, ist der Hund es auch, und muss mit meinem Hund auf den Baum klettern. Ich hab der Dame einige sehr unfreundliche Worte hinter hergerufen. Grüßen tut die Tussi immer noch nicht, aber ich war wohl sehr laut und unfreundlich, so dass ihr Hund jetzt immer angeleint wird, wenn wir uns begegnen (ist zum Glück nur zwei Mal die Woche der Fall). Zunächst dachte ich noch, die Frau wäre vielleicht der deutschen Sprache nicht mächtig, ich hab sie aber inzwischen schon in akzentfreiem Deutsch mit ihrem Hund reden hören.

Rollleine regt zum Ball werfen an?

Und noch eine lustige Begegnung der seltsamen Art hatte ich. Ich sitze auf einen Baumstamm, Tonko macht neben mir Platz, er soll für den letzten Anstieg und das letzte Stück noch ein wenig verschnaufen, den wir hatten vorher auch Ball (ohne Leine natürlich) gespielt. Also ein wenig zu Ruhe kommen. Ich sitze also gemütlich da, kommt eine Frau mit Hund, unangeleint. Statt mich zu fragen, ob es notwendig ist, ihren Hund anzuleinen (meines Erachtens nicht) wird sie hektisch. Fängt an im Gehen zu kruscheln und holt einen Ball heraus. Das Kruscheln hat natürlich nicht nur den anderen Hund abgelenkt sondern auch Tonko auf die Frau aufmerksam gemacht. Erwähnte ich schon, dass Labrador Retriever Apportierhunde sind. Wirf irgendetwas und ein Labi, der nicht darauf trainiert ist, erst auf Befehl loszustürmen wird hinterher stürmen. Klar, wenn ich mir Zeit nehme, klappt das, das er dann da bleibt (oft). Dann muss aber auch wirklich alles stimmen. In diesem Fall war das aber eine Situation auf die ich nicht wirklich vorbereitet war. Die Frau schmiss, auf Höhe Tonko also den Ball (den Tonko bereits im Blick hatte), ihr Hund hinterher, mein Hund sprang bereits auf, ich hab ihn gerade so noch zurückrufen können und nach zwei Meter blieb er zum Glück stehen.

Gassi gehen im Wald
Unser Labrador Tonko im Wald. Grünflasch für einen Gran Canaria Hund 🙂
Welcher Troll wirft denn bitte einen Ball für seinen Hund, wenn da noch ein anderer Hund ist, denn man nicht kennt? Ich fragte die Frau also was das denn jetzt bitte sollte. Sie meinte dann, etwas aus dem Zusammenhang, deswegen hätte sie keine Rollleine. Hm, interessante Antwort. Also ging es darum, mich als Rollleinen-Halterin zu ärgern? Ich weiß, dass Rollleinen auch ihre schlechten Seiten haben, ich komme aber mit Geschirr eben nicht zurecht. Bevor mein Hund vor einem Auto landet, nehme ich lieber die negativen Aspekte der Rollleine in Kauf. Punkt. Ich fragte also nochmal, warum sie bitteschön einen Ball wirft, wenn da ein anderer Hund ist, der sich auch für den Ball interessiert. Ja, sie hätte ihren Hund ablenken wollen … Sie hätte ihn auch an die Leine nehmen können und tun, was ich in so einem Fall manchmal tue. Dann nehme ich den Ball einfach in die Hand und Tonko ist dann voll fixiert drauf und guckt nicht mehr nach rechts und links. Keine schnellen Bewegungen also, nichts was andere Hunde per se in den Jagdtrieb bringt. Ich würde aber niemals einen Ball werfen, wenn ein andere Hund, den ich nicht kenne, an der Leine bei einem Besitzer hängt, den ich ebenfalls nicht kenne.

Der Kommentar mit der Rollleine hat sich dann übrigens aufgeklärt. Offenbar ist es der Frau selbst mal passiert, dass sie ihren Hund an der Rollleine hatte, jemand anders was geworfen hat und ihr Hund hinterher. Da sie die Rollleine offen hatte, hatte der wohl fünf Meter Anlauf und sie ist gut hinterher geflogen und hat sich dabei auch verletzt. Daraufhin fragte ich mich still und heimlich zwei Sachen: A) Warum, wenn sie gesehen hat, dass ich auch eine Rollleine habe, hat sie überhaupt geworfen? War das Rache für ihren Abflug? und B) Warum denkt sie, dass nur weil sie nicht mit Rollleine umgehen kann, es andere auch nicht können. Denn wenn Tonko Platz macht, dann stell ich die Rollleine natürlich fest, so dass er entspannt liegen kann, dabei auch den Kopf und sich bewegen kann und die Leine nicht immer auf Zug ist. Sonst hätte er ja wohl kaum Entspannung beim liegen. …. Aber er hat dann eben nur knapp zwei Meter und nicht volle fünf Meter.

Jogger und Fahrradfahrer interessieren unseren Labrador null

Und ansonsten? Ist Gassi gehen hier ganz lustig. Interessant finde ich die Jogger. Wir gehen einen Waldweg, den sich Spaziergänger, Hunde und ihre Herrchen sowie Frauchen, Radfahrer und Jogger teilen. Teils ist dieser Weg aber keinen Meter breit. Für mich ist es dann eine Selbstverständlichkeit, wenn ein Jogger kommt oder ich einen Fahrradfahrer rechtzeitig bemerke, den Hund entweder an die Leine zu nehmen oder mich, wenn er gerade ganz selbstvergessen irgendwo die Nase versenkt hat, ganz nah zu ihm zu stellen, so dass dem Jogger sofort sichtbar klar ist, der Hund ist jetzt unter Kontrolle. Mit nah meine ich ganz dicht auf Fellfüllung mit einer Hand. Das stört Tonko nicht beim schnüffeln und der Jogger kann sich eben auch sicher fühlen. Jeder zweite Jogger bedankt sich dann sogar. Eigentlich wäre es nicht nötig, denn Tonko interessiert sich wirklich überhaupt nicht für Jogger. Am Anfang haben die mich nervös gemacht, aber inzwischen weiß ich, mein Labi hebt für die noch nicht mal den Kopf. Auch nicht für Fahrradfahrer.

Lustig sind ja die Namen die manche Hunde hier haben. Eine Dogge namens Karlchen ist seit dem ich einen Riesenschnauzer namens Würstchen kenne aber nichts besonderes mehr 🙂 Das hat was 🙂

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